Und was ist dein persönlicher Mindf**k?

Normalerweise lassen mich klassische Ratgeberbücher für ein besseres, erfüllteres oder sonstwas Leben ziemlich kalt. Für meinen Geschmack zu oberflächlich die Tipps, wie man sein Leben entrümpelt oder in Zukunft sorgenfrei und glücklich leben kann. Nicht so jedoch bei dieser Lektüreempfehlung, die ich vor kurzem von einer Berater- und Coach-Kollegin bekommen habe. Und die Außerdem zum Coaching-Buch des Jahres 2011 gewählt wurde, wie ich grade auf den Verlagsseiten gelesen habe: Mindf**k – Warum wir uns selber sabotieren und was wir dagegen tun können. Autorin ist Dr. Petra Bock, eine erfahrene Coach und Managementberaterin. Was ist ein Mindfu**k? Eine hausgemachte Manipulation, mit der man sich selber dabei stört, die
Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was einem guttut: Es sind jene Gedanken, die uns daran hindern, das Leben zu führen, welches wir uns wünschen. Es sind diese Gedanken, mit denen wir uns nicht erlauben, das zu machen, worin wir richtig gut sind. Es sind diese Gedanken, die uns jahrelang an Jobs festhalten lassen, von denen wir eigentlich wissen, dass sie uns früher oder später krank machen. Es sind Gedanken, mit denen wir uns selber klein machen und beschränken, anstelle Chancen mutig zu ergreifen oder uns auch Chancen zu erarbeiten, Dinge eben aktiv zu ändern. Es sind diese Gedanken, die uns hindern, unsere eigentlichen Stärken und Potentiale zu erkennen und zu entfalten.

Das Leben ist kein Wunschkonzert…

Damit kein Missverständnis entsteht: Es geht nicht darum, ein Wunschkonzert fernab jeglicher Realität zu eröffnen. Nein, es geht in diesem Buch darum, sich selber nicht mehr mit negativen Gedanken zu stören. Gedanken oder besser Denkmuster, die uns hemmen, einen klaren und erwachsenen Blick auf uns selbst, unsere Stärken, Fähigkeiten, Wünsche zu richten.

…oder doch?

Und dazu braucht es keine besonderen Fähigkeiten oder Talente: Denn jeder Mensch ist fähig, seine Gedanken zu steuern – das unterscheidet uns von anderen Lebewesen. Keiner ist dieser Selbstsabotage, wie Petra Bock es nennt, hilflos ausgeliefert. Wie das konkret geht, beschreibt sie in ihrem Buch. Nicht fehlen darf auch das lesenswerte Kapitel zu den psychologischen, soziologischen und medizinischen Hintergründen unseres Denkens. Im letzten Drittel des Buches zeigt Petra Bock schließlich die praktischen Wege auf, mit denen man die Mindfuck-Spiralen der Selbstsabotage in unserem Denken unterbrechen kann. Und so nach und nach das dahinterliegende Gedankensystem – denn nichts anderes sind unsere ganz persönlichen Mindfuck-Kombinationen – neu und freundlicher mit uns selbst auszurichten. Und was soll ich sagen: Es funktioniert, ist zwar mitunter sehr anstrengend, aber: es funktioniert.

Die Gedankenwelt der Selbstsabotage

Bevor es jedoch soweit ist, führt sie ihre Leser durch den Dschungel der verschiedenen Mindf**ks. Und eines ist klar: Jeder und jede dürfte sich hier an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen.  Sieben Arten des Mindf**k unterscheidet sie. Das Fiese daran: Meist kommt die Selbstsabotage in Kombinationen daher. Hier ein paar Kostproben:

  • Wenn man sich selber Angst macht, das Unheil hereinbrechen sieht, bevor es überhaupt die ersten Anzeichen dafür gibt kann es sich um einen ausgewachsenen Katastrophen-Mindf**k handeln.
  • „Aber das kann ich meinem Chef/Partner/Freund doch nicht antun.“ Oder „Wenn ich jetzt meine ehrliche Meinung sage, werde ich es bitter bereuen.“ Wer diese Sätze ab und zu von seiner inneren Stimme zu hören bekommt, könnte es mit dem Selbstverleugnungs-Mindf**k zu tun haben. Übrigens besonders bei Frauen beliebt.
  • Zur übelsten Sorte gehört der Druckmacher-Mindf**k: „Wenn Du jetzt nicht funktionierst, bist Du ein Versager. Wenn Du diese Chance nicht nutzt, kommt sie nie wieder.“ Burn-out und Depressionen lassen grüßen.
  • Mein persönlicher Lieblings-Mindf**k ist dieser hier: Im Modus des Bewertungsmindf**ks gibt es den ständigen Soll-Ist-Vergleich. Alles und jeder wird bewertet – und natürlich in Relation zueinander gesetzt. die Ziele so hoch gesteckt, dass man sie eigentlich niemals erreichen kann. Dumm nur: Vielfach stehen die Bewertungen überhaupt nicht in Bezug zur Realität, wie Petra Bock weiß. Aber die Bewertungen haben – wie alle Mindf**ks – eine Funktion: Man weißt sich damit selbst seinen Platz in der Welt zu. Zumindest den Platz, den man sich im Mindf**k-Modus zugesteht.
  • Kennen Sie auch die Wenn-dann-Gedanken: “Wenn er/sie nicht pünktlich ist, ist das ein klares Zeichen fehlender Wertschätzung.“ Oder: „Wenn ich nicht mindestens zwei Jahre in diesem Job aushalte, ruiniere ich mir den Lebenslauf.“ Alles Regeln, die in ihrer Absolutät nicht mehr gültig sind. Überhaupt die Entweder-Oder-Keule, wie Bock es nennt: Kind ODER Karriere. Schönes Leben ODER toller Beruf. Die Regel dahinter: Man kann nicht alles haben. Aber warum eigentlich nicht? Petra Bock rät erstmal zu einem Gedankenexperiment:  Warum nicht Kind UND Karriere. Warum nicht ein schönes Leben UND einen tollen Beruf? Und schon schlägt man dem Regel-Mindf**k ein Schnippchen.
  • Dann der Misstrauens-Mindf**k, auch für viele ein guter Bekannter: „Wer sich auf andere verlässt, ist verlassen.“ 
  • Zuguterletzt: Der Übermotivations-Mindf**k: Die innere Stimme feuert einen dann geradezu an mit „Du schaffst das schon. Wir haben das doch immer geschafft.“

Mein Fazit: Lesenswert. Lesenswert. Lesenwert. Die Suche nach den inneren Saboteuren, wann sie auftauchen und wie genau sie einen selbst in Schach zu halten versuchen, macht nach einer Weile sogar richtig Spaß!

Petra Bock: Mindfuck – Warum wir uns selbst sabotieren und was wir dagegen tun können
Knaur Verlag. 256 Seiten. Hardcover. 19,99 EURO. 3-426-65507-1. 2011
http://www.droemer-knaur.de/buecher/Mindfuck.7768393.html?

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